2023 - Publikation bei National Geographic
MEXIPEDIUM XEROPHYTICUM: DIE MEXIKANISCHE ORCHIDEE KÄMPFT GEGEN DAS AUSSTERBEN IHRER ART
Ana Paola Garrido, Iñaki Arriola
National Geographic (www.ngenespanol.com/author/nationalg/)
9. Mai 2023
Mexipedium xerophyticum, das fehlende Bindeglied in einer evolutionären Linie von Orchideen, das in der freien Natur aufgrund von natürlichen Ursachen vom Aussterben bedroht ist.
Die ungewöhnliche Orchidee Mexipedium xerophyticum, die im Dschungel von Los Chimalapas im Südosten Mexikos beheimatet ist, wurde 1987 entdeckt. Sie kam in das Herbario-Hortorio del Colegio de Postgraduados (CHAPA) und verblüffte die dortigen Forscher.
„So sehr ich es auch untersuchte, es sah nicht aus wie etwas, das ich je zuvor gesehen hatte“, erklärt Gerardo Salazar, einer der Entdecker der Art und Doktor der Biologie an der Universität von London.
Bei der Beschreibung der Pflanze wurden Ähnlichkeiten mit anderen Orchideenarten wie den Frauenschuh-Orchideen festgestellt, aber im Gegensatz zu diesen bewohnt Mexipedium xerophyticum lediglich ein kleines Gebiet mit wüstenähnlichen Bedingungen inmitten des Regenwaldes.
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass sein Lebensraum vor langer Zeit eine grössere Ausdehnung hatte. Es war eine saisonal trockene, tropische Umgebung und mit dem Rückzug der Gletscher vor 11’000 Jahren breitete sich der Regenwald nach Nordamerika aus. Dadurch wurde der Lebensraum von Mexipedium praktisch zerstört und es blieben nur etwa drei Hektar Kalkstein übrig“, erklärt Dr. Salazar.
Von den wenigen in freier Wildbahn gefundenen Exemplaren erreichten manche Exemplare einen Durchmesser von bis zu einem Meter, wobei sie eine Vielzahl von Blattfächern und Ausläufern aufwiesen. Es wurden jedoch keine jungen Exemplare entdeckt, was laut Salazar darauf hindeutet, dass sich die Art wahrscheinlich seit Jahrtausenden nicht mehr natürlich fortgepflanzt hat.
Nach ihrer Entdeckung bestätigte Victor Albert, promovierter Biologe der Universität von North Carolina und Spezialist für Pflanzengenetik, anhand des Blattgewebes der Pflanze, dass es sich um eine noch nie zuvor beschriebene Art handelte. So wurde 1992 die Schaffung der Gattung Mexipedium vorgeschlagen, die sich als das fehlende Glied in der evolutionären Linie zwischen den Gattungen Paphiopedilum (aus Südostasien) und Phragmipedium (aus Südamerika) erwies.
Während die Zucht in Kultur und die Erforschung von Mexipedium xerophyticum ausserhalb seines natürlichen Lebensraums fortgesetzt wurden, kam es 1998 in Südmexiko zu einer intensiven Trockenzeit. In Verbindung mit einem landwirtschaftlichen Brand wurde der Wald von Los Chimalapas, in dem die Art ein Jahrzehnt zuvor entdeckt worden war, stark in Mitleidenschaft gezogen.
Anfang der 2000er Jahre arbeitete Eduardo Pérez, ein promovierter Biologe von der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM), in der Region, um herauszufinden, ob die Spezies in freier Wildbahn überlebt hatte.
„Von allen verbrannten Pflanzen überlebte nur eine, die in einem schlechten Zustand war. Wir haben die Suche in demselben felsigen Gebiet auf einen weniger zugänglichen Bereich ausgeweitet, wo wir einige weitere Pflanzen finden konnten“, sagt Dr. Pérez über seine Entdeckung. Er hatte bis dahin befürchtet, dass die gesamte Population durch das Feuer ausgelöscht worden war.
Wissenschaftler in aller Welt haben versucht, die Art in Kultur zu vermehren, um ihr Überleben zu sichern. Dies ist jedoch nur in den Vereinigten Staaten gelungen.
Teilstücke wurden an den Botanischen Garten in Missouri geschickt, wo Marylin Ledoux, die gerade promovierte, eine Methode entwickelte, mit der sie Mexipedium xerophyticum erfolgreich kultivieren und erhalten konnte. Dank dieser ersten Vermehrungserfolge in den Vereinigten Staaten ist die Pflanze inzwischen in der ganzen Welt bekannt“, sagt Salazar.
Andererseits erklärt Dr. Pérez, dass das Hauptziel der Zucht in Kultur nicht nur darin besteht, die Art zu erhalten, sondern auch den Markt der privaten Sammler zu befriedigen, da die Seltenheit von Mexipedium xerophyticum sie zu einer der begehrtesten Arten unter Orchideenliebhabern gemacht hat.
Erfolgreiche Kultivierungsmethoden in den Vereinigten Staaten, die auf Erfahrungen mit der Vermehrung ähnlicher Arten beruhen, haben die Weitergabe von Exemplaren an Privatsammlungen in aller Welt ermöglicht. Der Preis von Mexipedium xerophyticum kann variieren, beginnt aber regelmässig bei 100 $. Dabei sind Einfuhrgenehmigungen und Versand nicht berücksichtigt.
Markt und Erhaltung
Es gibt Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf der Art. „Sie steht unter der offiziellen mexikanischen Norm 059 und wird somit als gefährdete Art eingestuft. Man kann sie kultivieren und zu Hause halten, solange man ein legales Herkunftszertifikat vorweisen kann. In Wirklichkeit sind viele Pflanzen, die zur Kultivierung nach Mexiko gelangt sind, eingeschmuggelt worden“, sagt Dr. Pérez.
Trotzdem stellt der Handel mit Mexipedium xerophyticum keine Bedrohung für die Art dar, da sie in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht ist und die zum Verkauf stehenden Pflanzen aus künstlicher Vermehrung stammen.
„Seltene und interessante Arten müssen kultiviert, vermehrt und in Gärtnereien gehalten werden, damit sie auf dem Markt leicht erhältlich sind. Dies ist notwendig, damit diejenigen, die Pflanzen haben wollen, sie nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum herausnehmen, um sie in privaten Sammlungen und Botanischen Gärten aufzubewahren“, erklärt Eric Hágsater, Ingenieur und Gründungsmitglied der Asociatión Mexicana de Orquideología (AMO).
Unabhängig davon, ob Mexipedium xerophyticum ausserhalb seines natürlichen Lebensraums überlebt und dort schliesslich ausstirbt, ist seine Entdeckung von zentraler Bedeutung in der Geschichte der Orchidologie.
„Sie ist aus biologischer Sicht eine sehr wichtige Pflanze. Ihr Beitrag besteht darin, dass sie eine Lücke im Verständnis der evolutionären Beziehungen zwischen den Frauenschuh-Orchideen Südamerikas und Südostasiens geschlossen hat. Wir hatten das Glück, sie in ihren letzten Momenten vor ihrem natürlichen Aussterben zu sehen“, so Salazar abschliessend.
Dieser Artikel über Mexipedium xerophyticum wurde von Ana Paola Garrido und Iñaki Arriola, Journalistikstudentinnen an der Universidad Iberoamericana, Campus Mexiko-Stadt, verfasst.