2018 - Steckbrief und Kulturtipps

MEXIPEDIUM XEROPHYTICUM – EINE DER SELTENSTEN ORCHIDEEN DER WELT

Harro Hieronimus

Orchideen Zauber 58(1): 4-8. 2018

Mexipedium xerophyticum, Foto: H. Hieronimus

1988 stieß ein Sammler im Tal des Rio del Corte, im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, auf eine kleine Orchidee. Auf einer etwa einen Hektar großen Fläche in etwa 320 m ü. NN wurden ganze sieben Pflanzen, die aus bis zu 120 einzelnen Rosetten bestanden, gefunden. Dort kamen sie auf Kalkfelsen vor, die innerhalb eines Waldes aus Kiefern, Eichen und Amberbäumen zutage traten. Eine komplette Pflanze mit mehreren Rosetten und Teile einer zweiten wurden entnommen, sowohl für wissenschaftliche Zwecke als auch für die Zucht. Von der kompletten Pflanze stammen alle anderen, in Privathand befindlichen Bestände ab.

Mexipedium xerophyticum, Foto: H. Hieronimus
Mexipedium xerophyticum

Schwindende Bestände

1990 erfolgte durch SOTO ARENAS, SALAZAR & HÁGSATER die Erstbeschreibung als Phragmipedium xerophyticum. Obwohl der genaue Standort in der Erstbeschreibung nicht erwähnt wurde, sind Sammler, die sich auf die Suche machten, wohl fündig geworden und haben weitere Pflanzen – illegal – entnommen. 1996 waren deswegen nur noch zwei Pflanzen auffindbar und 1998, nachdem ein Feuer große Teile des Waldes zerstört hatte, sogar nur noch eine einzige. Diese wurde zwar schwer beschädigt, hatte sich aber bis 2009 wieder erholt. Glücklicherweise wurden 2009 aber auf einer immerhin zwei Hektar großen Fläche in der Nähe des Erstfundorts einige weitere Pflanzen gefunden. Dabei handelt es sich um eine schwer zugängliche Schlucht. Diese Pflanzen kommen ebenfalls auf Kalkgestein vor. Erstaunlicherweise finden sie sich nur auf den Nordseiten der Kalkfelsen. Die Pflanze ist deswegen nicht besonders lichthungrig. Sie wächst am neuen Fundort nur an senkrechten Felswänden.

Diese Orchidee ist, wie auch die ganze Gattung Phragmipedium, im CITES Anhang I als Phragmipedium xerophyticum gelistet. Beim Erwerb ist deswegen auch auf entsprechende Dokumente (Kaufbeleg) zu achten, um die Herkunft im Zweifelsfall belegen zu können.

Namensgeschichte

Bereits 1992 stellten ALBERT & CHASE aufgrund von Chromosomenuntersuchungen fest, dass die Unterschiede zu Phragmipedium zu groß waren, um in einer gemeinsamen Gattung zu bleiben, und eher eine Zwischenstellung zwischen dieser Gattung und Paphiopedilum einnimmt. Deswegen beschrieben sie die neue Gattung Mexipedium. 1994 fassten V. A. ALBERT & Börge PETTERSON den Gattungsbegriff von Paphiopedilum weiter auf und stellten alle Phragmipedium- Arten und Mexipedium als Synonym in diese Gattung. Diese Einordnung konnte sich aber nicht durchsetzen, weshalb der heute gültige Name Mexipedium xerophyticum (SOTO ARENAS, SALAZAR & HÁGSATER) V. A. ALBERT & M. W. CHASE, 1992 lautet. Es ist die einzige Orchidee aus der direkten Verwandtschaft von Phragmipedium, die auf Kalk wächst.

Mexipedium xerophyticum (Syn. Phragmipedium xerophyticum)
Mexipedium xerophyticum
2 Fotos: Dr. Hans Joachim Sandhagen

Beschreibung

Das Epitheton xerophyticum deutet schon darauf hin, dass es sich um eine xerophytische, also Trockenheit vertragende Pflanze handelt. Denn von März bis Mai herrscht in ihrer Heimat Trockenzeit mit keinen oder nur sehr wenigen Niederschlägen. Als Anpassung daran sind die Wurzeln behaart und von einem mehrere Zellschichten dicken, aber perforierten Velamen radicum umhüllt. So wird nicht nur Austrocknung verhindert, sondern wenn Wasser vorhanden ist, kann es auch sehr schnell aufgenommen werden. Das Rhizom zwischen den Sprossen kann bis zu zwölf Internodien haben und bis zu 20 cm lang werden. Die Wurzeln entspringen aber nur an der Basis der Sprosse.

Der zweizeilige Spross ist mit fünf bis acht ledrigen, schräg nach oben zeigenden Laubblättern besetzt, die länglichoval, bis zu 12 cm lang und bis zu 2 cm breit sind. Nur der Blattrand kann bewimpert sein. Oberseits ist das Blatt sattgrün, unterseits hellgrün und etwa 1 mm dick.

Der Blütenstandsstiel ist rötlich und wird bis zu 20 cm lang. Die Hochblätter sind behaart und am Rand bewimpert, ebenso der einfächerige Fruchtknoten. Insgesamt können nacheinander bis zu sieben Blüten erscheinen. Die Blütenblätter sind weiß, mit einigen rötlich gefärbten Stellen. Beschreibung der Blüte nach Wikipedia: ,,Das obere Sepal wölbt sich über der Blüte und endet spitz, es kann an der Basis auch auf der Innenseite behaart sein und am Rand Wimpern aufweisen. Die beiden anderen Sepalen sind komplett miteinander verwachsen (Synsepal), nur manchmal mit einer zweigeteilten Spitze versehen, meist aber stumpf endend. Die seitlichen Petalen sind länglich, unbehaart bis auf einige Wimpern am Grund, sie enden spitz. Die Lippe ist sackartig geformt, die Ränder nach innen gebogen. Auf der Innenseite befinden sich drüsige Haare. Die Säule trägt zwei fruchtbare Staubblätter und ein unfruchtbares, zu einem schildförmigen Staminodium umgeformtes. Alle drei sind kurz gestielt. Die Staubblätter enthalten in je zwei Kammern den gelben, körnigen Pollen. Die Narbe ist dreilappig. Die zahlreichen Früchte entwickeln sich in der zylindrischen Kapselfrucht. Die Orchidee wird in der Natur wahrscheinlich durch Insekten, womöglich Bienen, bestäubt. Die Vermehrung erfolgt bislang aber kaum über Samen, sondern durch Teilung der Sprossen. Das Wachstum ist generell langsam.“

Mexipedium xerophyticum
Mexipedium xerophyticum
Foto: Dr. Hans Joachim Sandhagen
Mexipedium xerophyticum
Foto: Dr. Hans Joachim Sandhagen

Blütezeit

Die Blütezeit liegt in der Natur im Herbst. Bei den Erstfunden wurden viele blühende Orchideen gefunden, aber keine Jungpflanzen oder Sämlinge. In Kultur haben sich diese Zeiten aber nicht manifestiert, inzwischen sind Blüten auch im Frühjahr keine Seltenheit.

Kultur

Die Pflege ist einfach, erfordert aber Geduld, denn die Pflanze wächst langsam. Dem Orchideensubstrat sollte etwas Kalk (auch in Form kleiner Steinchen) zugesetzt werden. Gegossen und gesprüht wird alle zwei bis drei Tage, an warmen Tagen auch öfter. Staunässe ist natürlich zu vermeiden. Als Gießwasser kann normales Leitungswasser benutzt werden. Schon bald werden sich weitere Rosetten bilden und können dann auch abgetrennt werden.

Während des Winters wird weniger Licht gebraucht, im Sommer kann es etwas mehr sein. Mehrstündige direkte Sonneneinstrahlung ist nicht notwendig. Bei Zimmerkultur kann eine LED-Beleuchtung mit hohen Anteilen roten und blauen Lichts positiv auf das Wachstum wirken. Die Blütenbildung wird möglicherweise durch eine leichte Trockenphase induziert, diese braucht aber nicht so ausgeprägt wie in der Natur zu sein.

Fazit

Heute gibt es bei Orchideenliebhabern viel mehr Orchideen dieser Art als in der Natur. Die Pflanze ist auch bei einigen Orchideenhändlern in Deutschland erhältlich. Die Preise sind angesichts der Seltenheit der Pflanze nicht ganz niedrig, insgesamt aber durchaus noch erschwinglich. Und einige Liebhaber sind auch durch Tausch an ihre Pflanze gekommen.

Mexipedium xerophyticum
3 Fotos: Dr. Hans Joachim Sandhagen
Mexipedium xerophyticum
Mexipedium xerophyticum

Steckbrief Mexipedium xerophyticum

 

Unterfamilie:
Cypripedioideae LINDLEY, 1826

Gattung:
Mexipedium V. A. ALBERT & M. W. CHASE, 1992

Art:
Mexipedium xerophyticum (SOTO ARENAS, SALAZAR & HÁGSATER) V. A. ALBERT & M. W. CHASE, 1992

Synonyme:
Phragmipedium xerophyticum und Paphiopedilum xerophyticum.

Deutscher Name:
keiner

Herkunft:
Mexiko, Provinz Oaxaca.

Größe:
Die Blätter können bis zu 12 cm lang werden und die Blütenstängel bis zu 20 cm. Die Blüten erreichen bis 2,5 cm Durchmesser.

Pflege:
Alle zwei bis drei Tage gießen und sprühen, im Sommer häufiger, bis zu fünf Mal täglich. Kultur im temperierten Bereich. Bevorzugt helle Standorte, aber nicht durchgehend vollsonnig. Im Winter oder Frühling eine zweimonatige Trockenphase mit sehr geringen Wassergaben einplanen.

Wasser:
Leitungswasser

Düngung:
Nach der Trockenphase dem Gießwasser regelmäßig einen Orchideendünger in halber Konzentration zusetzen.

Vermehrung:
Ausläufer in neue, daneben aufgestellte Töpfe wachsen lassen, größere Rosetten abtrennen oder durch Aussaat.

Besonderheit:
Die Pflanze ist in der Natur sehr selten und vom Aussterben bedroht. Deswegen sollten Orchideenliebhaber gesicherte Bestände aufbauen.

Mexipedium xerophyticum
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