Bestäubung

Die Bestäubung von Mexipedium xerophyticum

Noch immer ist nicht klar, welches Tier in der Natur als Bestäuberinsekt für Mexipedium xerophyticum fungiert. Es wird vermutet, dass dafür eine sehr kleine Wespenart verantwortlich sein könnte. Weil die Orchideenart so selten und der natürliche Lebensraum kaum zugänglich ist, sind bisher keine länger dauernden Beobachtungen oder gar Studien vor Ort durchgeführt worden. Aufgrund dessen, dass am Naturstandort keine Jungpflanzen beobachtet wurden, kann sogar darüber spekuliert werden, ob es das Bestäuberinsekt vor Ort überhaupt noch gibt oder ob es womöglich selbst schon ausgestorben ist.

Die Blütenanatomie von Frauenschuhorchideen ist generell gut erforscht und weil Mexipedium xerophyticum demselben Bauplan folgt, der auch den Blüten von Phragmipedium, Paphiopedilum, Cypripedium und Selenipedium zugrunde liegt, kann trotz der fehlenden Information über das Bestäuberinsekt eine genaue Aussage darüber gemacht werden, wie der Prozess der Bestäubung abläuft. Dazu ist die folgende Abbildung mit einem Längsschnitt durch die Blüte dienlich, um die Teilprozesse zu veranschaulichen:

Längsschnitt durch die Blüte von Mexipedium xerophyticum
1: Hineinfallen in die Blüte

Die Blüten von Mexipedium xerophyticum locken Insekten durch ihre Farbe und ihren Duft an. Landet ein Insekt auf der Blüte, so rutscht es in die schuhförmige Lippe hinein. Die glatten Innenwände und die nach innen gebogenen Ränder der Öffnung verhindern, dass es auf demselben Weg wieder hinausklettern kann.

2: Suche nach einem Ausgang

Das Insekt versucht zu entkommen und findet lediglich an der hinteren Innenseite der Lippe eine Möglichkeit, innerhalb des Schuhs hochzuklettern. Dort befinden sich nach oben gebogene Pflanzenhaare, sogenannte Trichome, die dem gefangenen Insekt als Leiter dienen. Nur auf diesem Weg ist es möglich, die Blüte zu verlassen.

3: Abstreifen des Pollens

Hat das Insekt bereits eine andere Blüte von Mexipedium xerophyticum besucht, streift es beim Vorbeizwängen an der Narbe den mitgebrachten Pollen auf deren gewölbter Oberfläche ab. Dadurch wird die Blüte bestäubt.

4: Aufnahme neuer Pollen

Beim Verlassen der Blüte kommt das Insekt am engen Ausgang mit den Pollinien (Pollenpaketen) in Kontakt, wodurch mit etwas Glück neuer Pollen an seinem Körper haften bleibt. Sucht es danach eine neue Blüte auf, beginnt der Prozess wieder von vorne.

Die manuelle Bestäubung von Mexipedium xerophyticum

In der Orchideenzucht werden Blüten von Hand bestäubt. Dabei spielt es eine Rolle, welche Elternpflanzen verwendet werden, denn davon hängt es ab, wie gut das zu erwartende Ergebnis ausfallen wird.

Aufgrund des kleinen Genpools von Mexipedium xerophyticum mit lediglich den zwei Klonen ‚Windy Hill‘ und ‚Oaxaca‘, welche als ursprüngliche Wildpflanzen den Weg in die Orchideensammlungen gefunden haben, ist die Auswahl geeigneter Kreuzungspartner recht gering. Inzucht ist bei der Nachzucht dieser Art ein Problem, das sich aber leider nicht umgehen lässt. Dafür gibt es schlicht zu wenige Pflanzen. Zudem wurde mithilfe moderner DNA-Analyse belegt, dass auch die zwei erwähnten Wildpflanzen sich genetisch sehr ähnlich sind.

Um eine Inzucht-Depression möglichst auszuschliessen oder zumindest gering zu halten, sollte bei der Nachzucht darauf geachtet werden, dass möglichst immer beide ursprünglichen Pflanzen in die Kreuzung mit einbezogen werden. Dies ist aber nicht immer möglich. So sind beispielsweise die bekannten Sorten ‚Pixie Slippers‘ und ‚Fairy Slippers‘ von Marilyn Ledux (Windy Hill Orchids) beide aus einer Selbstbestäubung von ‚Oaxaca‘ entstanden.

Die Bestäubung von Mexipedium xerophyticum ist vor allem aufgrund der winzigen Blüten und ihrer noch winzigeren Blütenteile eine feinmotorische Herausforderung. Am einfachsten gelingt der Prozess, indem man alle Blütenblätter entfernt. Somit liegt die Narbe frei:

Die Bestäubung der winzigen Blüten von Mexipedium xerophyticum ist eine Herausforderung.

Die Bestäubung funktioniert unserer Erfahrung nach am einfachsten mit einer abgeflachten Nadel oder einem sehr feinen Skalpell. Eine Standlupe kann dienlich sein, um die winzigen Blütenteile überhaupt zu erkennen, während man arbeitet.

Als erstes entnimmt man eines der vier Pollinien von der Pflanze, die als Pollenspenderin dient. Danach bringt man es auf die Narbe der zu bestäubenden Pflanze auf. Die Konsistenz der Pollenmasse ist etwas klebrig, sodass das Pollinium in der Regel gut haften bleibt.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Bestäubung am besten funktioniert, wenn die zu bestäubende Blüte noch über alle Pollinien verfügt. Werden diese entfernt, so kann es vorkommen, dass die Blüte welk wird, bevor sie befruchtet werden konnte.

Schon wenige Tage später erkennt man, ob die Bestäubung funktioniert hat. Verbleibt die Samenkapsel an der Pflanze, so stehen die Chancen gut, dass sich darin fertile Samen entwickeln werden. Schon nach einem Monat sollte ein deutliches Anschwellen der Kapsel erkennbar sein. Während der Samenreife wird der Inhalt der Kapsel sehr dunkel, was sogar von Aussen erkennbar ist. Dann stehen die Chancen ausgezeichnet, dass sich viele Samen im Innern befinden, die gut zur Keimung gebracht werden können.

Nach 5-6 Monaten ist die Samenkapsel bereit für die Aussaat.

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